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Guardians of the Galaxy Vol. 2

Dass ich Rogue One nicht so doll fand, könnte auch daran liegen, dass ich wenige Tage zuvor diesen Film gesehen habe – und ziemlich begeistert war! Mir hat schon der erste Teil ausgezeichnet gefallen, deshalb hatte ich etwas Sorge, dass es jetzt ein wenig abwärts gehen könnte. Aber stattdessen finde ich den zweiten Teil noch deutlich besser als Teil 1 – ich hätte nicht gedacht, dass das möglich sein könnte.

Es kann durchaus sein, dass man die Guardians einfach nur albern findet. Immerhin quatscht da ein Waschbär (!) dumm rum, wenn er nicht gerade rumballert. Und sprechende Bäume mit reduziertem Wortschatz sind sicher auch nicht jedermanns Sache, selbst wenn die Toleranzschwelle seit Herr der Ringe hoch sein mag. Über grüne Frauen und solche mit Tentakeln (wie hießen die noch bei Raumschiff Enterprise?) will ich jetzt mal gar nicht reden. Seltsamerweise stört mich das gar nicht. Null. Selbst Baby-Bäumchen mit braunen Kulleraugen – sonst nichts, was mich sonderlich bewegen kann – finde ich hier extrem niedlich und witzig. Das gibt mir schon ein wenig zu denken, ist mir andererseits aber auch total egal.

Jedenfalls fängt der Film schon sensationell damit an, dass eine gewaltige Actionszene mit allem Drum und Dran mal eben so ganz trocken verschenkt wird, indem sie sich überwiegend im trotz 3D unscharfen Hintergrund abspielt, während das Bäumchen vorne herumhampelt. Das fand ich ziemlich groß, auch wenn der Witz, der aus dem Kontrast entsteht, natürlich billig ist – aber er funktioniert einwandfrei. Die Macher sind auch sonst ihrem Rezept treu geblieben: Es gibt gute Action, außergewöhnliche Figuren, enorm viel Spaß, eine bemerkenswerte Optik, tolle Musik und tatsächlich auch sowas wie emotionaler Tiefgang hier und da (aber bestimmt nicht zu viel). Ich fand, dass es diesmal von allem mehr gab. Gut, die Action ist so rasant, dass sie z.T. ins Absurde abrutscht. Aber die Charaktere werden weiter ausgelotet, ihr Hintergrund wird deutlicher, wobei mir die Schauspieler allesamt wieder sehr gut gefallen haben (zu meiner Schande ist mir erst jetzt aufgefallen, dass ich Nebula-Karen Gillan aus Doctor Who kenne, wo sie eine der besten Companions ist). Und es gibt viel mehr gute Gags, den Part haben die Macher definitiv ausgebaut, wobei sie haarscharf am Albernen vorbeischrammeln – sehr viel mehr darf es nicht werden. Mehr gute Musik schadet dagegen nicht. Die ist diesmal deutlich allgemeinverträglicher als in Teil 1, will sagen: Dort funktionierten die Songs vor allem in Kombination mit den Bildern, diesmal kann man sie auch so genießen.

Ein großartiger Film, allerbestes Kino für einen auf maximale Unterhaltung ausgerichteten Abend. Ich freu mich jetzt schon auf den dritten Teil.

Rogue One – A Star Wars Story

Über den Film ist vermutlich schon genug geschrieben worden, deshalb kann ich mich eher kurz halten. Also ich bin überrascht, dass er so viele gute bis sehr gute Kritiken erhalten hat. Gelobt werden die Story, die Schauwerte, die Schauspieler… Das wird alles nicht falsch sein, aber vielleicht war das große Lob von so vielen Seiten wieder mal der Grund, dass ich eher etwas ernüchtert war, nachdem ich den Film jetzt endlich gesehen habe. Das heißt also, dass ich ihn im Kino verpasst habe, ein Fernseher und eine Bluray in 2D mussten reichen – weshalb ganz sicher sehr viel von der tollen Optik auf einer großen Kinoleinwand verloren gegangen ist.

Was mich am meisten stört: Ich finde die Geschichte am Ende doch wieder ziemlich abgenudelt. Schon wieder gibt es eine Heldin (das finde ich gut), die wie alle Star-Wars-Helden eine Außenseiterin ist, aber dann doch über sich selbst hinauswächst. Diesmal immerhin ohne die Hilfe der Macht. Schon wieder gibt es einen verfluchten Todesstern, der zu Demonstrationszwecken eingesetzt wird und unbedingt zerstört werden muss. Nur dass es diesmal nicht darum geht (wie in Teil 4 und Erwachen der Macht), zielgenau die Schwachstelle des Todessterns zu treffen, sondern darum, diese Schwachstelle zu finden. Das würde ich eine minimale Variation nennen. Denn zwar muss diesmal ein Datenträger geklaut werden, aber wieder fliegen die Staffeln Rot, Blau, Gold und Co. ihre tollkühnen Angriffe auf imperiale Kreuzer und Stationen, während die Jäger der Bösen sie verfolgen und die Bordgeschütze aus allen Rohren feuern… Und wieder müssen sich eine junge Frau und ihr Held hinter den Linien durchschlagen, Sturmtruppen töten und irgendwas finden (diesmal nicht den Ausgang, okay), wobei ihnen ein Droide tüchtig hilft, indem er den imperialen Computer anzapft – wo hab ich das schon mal gesehen? Und überhaupt, der Droide: Der sieht anders aus, ja, aber er macht auch lustige Sprüche wie sein goldglänzender Kollege, allerdings auf höherem Niveau, das ist wahr. Und der dunkle Vater schnürt auch schon wieder jemandem die Luft ab…. Also ich finde die ganze Geschichte extrem dünn. Wenn der Film nicht Teil der eigenen Reihe wäre, würde Disney die Produzenten wegen zahlloser Plagiate für alle Zeiten verklagen.

Und die Schauspieler? Leider haben auch die mich nicht überzeugt. Ich mag Felicity Jones nicht nur, weil ich sie als Austen-Schauspielerin (Northanger Abbey) kenne und schätze. Aber als Actionheldin? Ich finde sie als Kriegerin oder charismatische Anführerin, der ein Haufen hartgesottener Kerle mit leuchtenden Augen folgen sollen, so gar nicht überzeugend. Ich jedenfalls wäre ihr nicht nachgelaufen. Der männliche Held, ein Abklatsch von Han Solo, ging ja noch. Aber den blinden Jedi, der ständig dusselig vor sich hin brabbelte, was wohl ein Gebet sein sollte, fand ich fast schon albern. Mein Verdacht ist übrigens, dass auch die Produzenten das Gefühl hatten, dass man sich hier für folgende Filme Probleme geschafft haben könnte – so ließe sich das Schicksal aller (!!) Figuren dieses Films erklären, das für das Star-Wars-Film-Universum schon recht ungewöhnlich ist.

Was bleibt, ist für mich ein Sci-Fi-Film mit sehr viel schon zu oft gesehener Action, super Optik, ideenloser Story und nicht überzeugenden Schauspielern. Ich hatte ja schon nach dem Erwachen der Macht darauf gehofft, dass jetzt mal die guten Ideen erwachen, stattdessen bekomme ich das Gefühl, dass die ganze Star-Wars-Story einfach auserzählt ist. Hoffentlich stimmt das nicht.

Love & Friendship

Es gibt ja nicht wenige Austen-Verfilmungen, manche meinen, es gäbe sogar schon viel zu viele, jedenfalls von denen, die wenig originell oder mäßig erfolgreich die Geschichte eines Austen-Romans nacherzählen. Tatsächlich sind die sechs vollendeten Romane schon häufig verfilmt worden, vor allem natürlich „Stolz & Vorurteil“. Außen vor blieben bisher weitestgehend die Jugendwerke und die drei nicht vollendeten Romane „Die Watsons“, „Sanditon“ und „Lady Susan“.

Regisseur Whit Stillman hat sich nun ausgerechnet den Briefroman „Lady Susan“ vorgenommen, der nicht nur wegen seiner Form nicht so ganz in Austens Literatur-Welt zu passen scheint: Denn die Titelfigur scheint ziemlich böse zu sein, raffiniert, intrigrant und in jedem Moment nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht. Die Witwe gilt als große Verführerin, viele Affären sagt man ihr nach, Ehebruch ist für sie kein Tabu, sondern eher eine Herausforderung, ein Spaß, dem sie gerne nachgeht, wenn sie dabei irgendwie auf ihre Kosten kommt. Doch auch sie ist Zwängen ausgesetzt, sie braucht Geld, das sie am leichtesten bei Männern findet. Also versucht sie zunächst, ihre unschuldige Tochter Frederica vorteilhaft zu verheiraten – sie selbst würde wohl nur wieder heiraten, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.

Austen hat den Roman als 19-Jährige Ende des 18. Jh. geschrieben, aber nie veröffentlicht. Erst gut 60 Jahre nach ihrem Tod kam das Buch auf den Markt. Die Geschichte zeigt deutliche Spuren ihrer Jugendwerke, manche Kritiker sehen „Lady Susan“ deshalb eher als „Fingerübung“ für die späteren Romane. Auf sehr viel Begeisterung stößt das kurze Werk auch bei Austen-Fans nicht sehr oft.

Die Verfilmung könnte dies vielleicht ändern. Stillman hat das Buch mit seinem eigenen Drehbuch großartig umgesetzt: Der Film erzählt die Geschichte des Romans, wobei er geschickt Schwerpunkte setzt. Die Figuren sind ausgezeichnet besetzt, allen voran spielt Kate Beckinsale eine tolle Lady Susan. Die agiert zwar skrupellos und berechnend, aber Stillman gelingt das Kunststück, Austens Humor mühelos herauszuarbeiten. Denn „Lady Susan“ ist keine fade Geschichte, sondern streckenweise ausnehmend lustig – was durch die Dialoge (im Buch Briefstellen) und die dümmlichen Männerfiguren deutlich wird. Lady Susan ist durchtrieben, aber auch intelligent und den Männern intellektuell überlegen. Man könnte das Buch auch lesen als die Geschichte einer Frau, die einfach versucht, sich mit allen Mitteln durchzuschlagen, weil sie keine großen Alternativen hat, wenn sie sich nicht einem dummen Mann unterordnen will. Austen jedenfalls könnte ihren Spaß an der Figur gehabt haben – was Stillman unterstreicht, indem er Austens Text hier und da durch lustige Dialoge und heitere Szenen sogar noch verbessert. Allerdings könnte es am Anfang etwas schwierig sein, den Überblick über die Figuren zu gewinnen, die kurz nacheinander vorgestellt werden. Hier ist man klar im Vorteil, wenn man das Buch bereits gelesen hat.

Eine Verfilmung, die sich nicht sklavisch am Text hält, sondern versucht, den Geist des Buches auf die Leinwand zu bringen – Stillman ist das sehr gut gelungen. Sein „Love & Friendship“ gehört sicher zu den gelungensten Austen-Verfilmungen. Ich würde sie in etwa auf dem Level von Ang Lees „Sinn & Sinnlichkeit“ oder Amy Heckerlings „Clueless“ ansiedeln, die mir besser gefallen als alle anderen Austen-Filme oder -Serien. Etwas irritierend finde ich nur den Titel: „Love & Friendship“ heißt ein überschäumendes Jugendwerk von Austen, mir ist nicht klar, warum Stillman den Film nicht einfach „Lady Susan“ genannt hat. Aber da der Titel nicht von Austen stammt, sondern von ihrem Neffen, der das Buch später herausgebracht hat, hat Stillman zumindest Jane Austens Willen nicht ignoriert.

Stolz und Vorurteil und Zombies

Das Buch habe ich vor schon wieder sechs Jahren gelesen, fand es nach 30 heiteren Seiten nicht mehr lustig, sondern nur noch platt und schlecht. Mit dem Film ist es mir jetzt nicht viel besser ergangen, allerdings ist der Unterhaltungswert höher, wenn die Schauspieler eigentlich zumindest in anderen Filmen gar nicht schlecht waren. Und natürlich ist das Auge auch geduldiger, wenn einem 107 Minuten schöne Menschen in schicken Kostümen gezeigt werden, die ab und an mal artistisch ein paar Untote dahinmetzeln. Ein paar hundert Seiten lang, ohne Lily James, Matt Smith, Sam Riley und Bella Heathcote, ist das schon schwerer zu ertragen.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Film zum Teil überraschend gut besprochen wurde, selbst in der `Süddeutschen´ und bei `Spiegel Online´. Möglicherweise haben die Autoren auch nur vesucht, sich von den erwartbaren Reaktionen der dort gern genannten „Austen-Puristen“ abzusetzen. Oder es war einfach zu langweilig, weil einfach, den Film schlecht zu finden.

Ich halte mich eigentlich nicht für einen „Austen-Puristen“, auch wenn ich nicht leugnen mag, dass mir die meisten ihrer sechs großen Romane, und ja, auch noch Lady Susan, ganz gut gefallen. Mein Problem mit der Zombie-Variante von Stolz und Vorurteil ist nicht, dass hier zwei Welten zusammengezwängt werden, das kann ja tatsächlich durch den Kontrast lustig sein. Dumm ist nur, dass dieser Witz ziemlich schnell verbraucht ist. Und er wird einfach nicht besser dadurch, dass den Zombies die Köpfe weggeschossen, abgeschlagen, gespalten oder mit fein besohlten Füßen zertreten werden. Zumal die Kampfszenen dann doch eher sehr mittelmäßig choreografiert sind. Es ist, als ob Autor und Regisseur diese eine Idee gereicht hat, die sie nun einfach zu Tode reiten. Dass man lustige Zombiefilme viel besser machen kann, kann man bei Warm Bodies, noch viel mehr aber bei Zombieland sehen. Aber wie beim Buch, würde mich auch hier interesssieren, ob der Austen-Zombie-Film jüngeren Zuschauern gefällt.

Altes Land / Von Dörte Hansen

Mutter und Tochter kommen auf der Flucht aus Ostpreußen ins Alte Land, der niederdeutschen Region bei Hamburg, die vor allem durch seine Apfelbäume berühmt ist. Ein Zusammenprall der Kulturen: Die einstige Großgrundbesitzerin wird bei einer garstigen Obst-Bäuerin einquartiert, die das nicht will, andererseits Hilfe gebrauchen kann, bis der Sohn aus der Gefangenschaft heimkehrt. Doch dann entwickeln sich die Dinge anders. Das Buch erzählt mehrere Geschichten, im Fokus stehen jedoch das kleine Flüchtlingsmädchen, das sich im Alten Land ein Leben aufbaut, in dem sie sich mit ihrer kantigen Art ein Zuhause erkämpft, und ihre Nichte, deren Lebensweg auch von Brüchen gekennzeichnet ist.

Das ist eine interessante Geschichte, die mir auch erzählerisch eigentlich gut gefallen hat. Hansen kennt Land und Leute, das merkt man sehr. Andererseits hat mich gestört, dass sie am Ende irgendwie auch in Schablonen fällt. Einmal bei der Beschreibung der Hamburger Yuppies, die scheinbar das wahre Landleben entdecken, wenn sie nicht gerade ihre Kinder verziehen oder sich mit der Aufarbeitung von Befindlichkeiten befassen. Stimmt vermutlich alles, war mir aber zu simpel, bzw. schon ein wenig abgenudelt. Dann, was schlimmer wiegt, bei der Beschreibung der Leute vom Land. Es gibt da einen Autoren, der sich rühmt, die Landbevölkerung wirklich zu kennen, ihr wahres Leben, ihre Mentalität. Und der sein Wissen in Büchern über das „echte“ Landleben vermarktet. Da sind die knorrigen Leute halt „Originale“, die man einfach lieben muss. Was ich mich frage (abgesehen davon, dass auch diese Episode amüsant, aber auch klischeehaft ist): Macht Hansen nicht dasselbe? Bei ihr sind die Dorfbewohner etwas komplexer, aber auf ihre Art auch liebenswerte Originale, die mit der Zeit gegangen sind (oder auch etwas weniger). Man bekommt aber schon Lust, diese Leute in seiner Nachbarschaft haben zu wollen. Und ein Buch macht sie auch daraus.

Also ich komme aus einem Dorf von der Nordseeküste, ein wenig kenne ich die Leute auch. Vielleicht stolpere ich deshalb über diesen Aspekt. Aber eigentlich ist das auch nur ein kleiner Einwand gegen ein Buch, das sich sehr unterhaltsam und interessant weglesen lässt.

Der Ozean am Ende der Straße / Von Neil Gaiman

Offenbar habe ich vergessen, American Gods von Neil Gaiman hier zu erwähnen. Das Buch habe ich vor einigen Monaten oder so gelesen. Seltsam, wie wohl alles von Gaiman. Aber auch unterhaltsam, spannend, abenteuerlich, surreal, fantastisch – wie auch alles von Gaiman. Jedenfalls alles, was ich kenne. Was nicht viel ist. Coraline, Sternwanderer, American Gods und jetzt Der Ozean am Ende der Straße. Was den Vorteil hat, dass ich noch viel von ihm lesen kann…

Der Ozean am Ende der Straße erzählt eine märchenhafte Kindergeschichte – oder die Erinnerung eines Erwachsenen an etwas, dass sich so abgespielt haben könnte. Ein siebenjähriger Eigenbrötler – so nennt man wohl Jungen dieses Alters, wenn sie sich vor allem für Bücher interessieren – gerät durch seine elfjährige Freundin Lettie in eine Auseinandersetzung zwischen Wesenheiten, die aus einer anderen Welt zu sein scheinen. Und weil er einen kurzen Moment unachtsam ist, wird er zum Mittelpunkt des Geschehens, bei dem nichts weniger als das Schicksal der Welt, wie wir sie kennen, auf dem Spiel steht. Das klingt dramatisch, nach viel Action usw. Tatsächlich ist Gaimans Buch viel mehr ein Märchen, in dem finstere Gestalten auftauchen, auch schlimme Dinge passieren, aber man doch stets ahnt, dass es am Ende schon irgendwie gut ausgehen wird. Mehr oder weniger tut es das auch, wobei das „weniger“ nicht unwichtig ist.

Ein guter und schöner Roman, finde ich, der natürlich ausnutzt, dass man sich irgendwie gern an Kindheiten erinnert, die unbeschwerte Phasen hatten. Zugleich schwelgt Gaiman nicht in Nostalgie, verklärt wird hier gar nichts, Kindheit ist eine harte Angelegenheit. Irgendwie. So geht es mehr noch darum, ein wenig, nicht zu schwerblütig, über Dinge nachzudenken, die wichtig sind. Über das Sich-finden, über das Weitermachen und über das Anderssein. Das klingt jetzt doch wieder schwer. Ist es aber gar nicht, nicht mit einem Buch, das so locker geschrieben ist wie dieses.

Jason Bourne

Die Trilogie fand ich ziemlich gut, den Nachklapp auch sehenswert, deshalb hatte ich recht hohe Erwartungen, als ich mir den neuen Bourne angesehen  habe. Sie wurden nicht enttäuscht. Und dann doch irgendwie. Bourne steht für gute Action, perfekt inszeniert, rasant und zugleich irgendwie so, als ob man glauben könnte, das solche Szenen tatsächlich möglich sind. Bond hat viel gelernt von Bourne. Der neue Film bietet das natürlich auch, zudem wieder eine Geschichte, die die Handlung auf ein intellektuell höheres Niveau hievt, gute Schauspieler sind auch dabei, Alicia Vikander darf Julia Stiles ersetzen, Tommy Lee Jones und Vincent Cassell sind ordentlich böse… Alles gut soweit. Nach mehr als zwei Stunden kommt man aus dem Kino, gut unterhalten und zufrieden. Dann denkt man nach: Irgendwoher kennt man das doch? Ja, richtig, aus den ersten drei Bourne-Filmen. Die große Schwäche des Films ist, dass ihm nichts Neues einfällt. Wieder gibt es ein schlimmes Geheimprogramm, das aufgedeckt werden muss, wieder muss Bourne Dinge über sein Leben erfahren, die er noch nicht kannte, wieder gibt es eine Holde, die bei der CIA ist, ihm aber dann doch hilft und hauen und ballern ist sowieso dabei (was okay ist). Welcher Teil des Plots ist eigentlich originär neu? Mir fällt keiner ein. Schlimmer noch: Wenn man die ersten Teile nicht kennt, wirkt die Hintergrundstory total mau, weil die Filmemacher sich nicht die Mühe gemacht haben, sie ernsthaft zu entwickeln – vermutlich, weil dann noch deutlicher geworden wäre, wie von sich selbst abgekupfert sie ist. Dem Anspruch, Action mit Anspruch zu liefern, wird dieser Bourne deshalb nicht gerecht, das ist enttäuschend. Vielleicht ist die Story nach 4-5 Teilen auch einfach ausgelutscht? Aber trotzdem wird es sicher noch eine Folge geben, denn der aktuelle Bourne ist offenbar ziemlich erfolgreich.

Star Trek – Beyond

Der dritte Teil der neuen Star-Trek-Reihe. Zur Einstimmung habe ich mir die ersten beiden Teile noch mal angesehen – und war wieder sehr zufrieden mit ihnen. Der aktuelle Film knüpft in vielen Dingen nahtlos an seine Vorgänger an. Die Optik ist wieder ansprechend, die typischen Scherze der Crew werden gepflegt und es gibt einige Referenzen an die den Fans bestens bekannte Star-Trek-Welt. Also im Grunde alles gut. Fühlte mich bestens unterhalten. Anton Yelchin zu sehen, war allerdings ein wenig traurig, oder bitter, aber andererseits ist es schön, dass er durch seine Rolle sicher niemals vergessen wird. Jedenfalls nicht von Trekkies.

Wenn man unbedingt ein wenig mosern will, kann man natürlich anmerken, dass manche Ideen nicht hübsche Zitate, sondern relativ simple Wiederholungen waren. Etwa die komplett demolierte Enterprise. Oder der Absturz derselben. Oder das Auftauchen der Franklin aus dem Wasser. Nicht restlos zufrieden war ich auch mit der Wunderwaffe, mit der die fiesen Alien-Raumschiffe zerstört werden. Das erinnerte mich in gewisser Weise doch zu sehr an Independence Day 1. In diesem Fall sollte es lustig sein, klar, aber irgendwie passte es nicht. Die Grundmotivation des Bösewichts kam mir übrigens auch bekannt vor, war Khan (der im alten Film) nicht auch von ähnlichen Absichten getrieben? Das fand ich ein wenig simpel. Zumal ja gerade erst in Star Trek Into darkness der Miesepeter unbedingt Krieg will, weil er den für die bessere Lösung hält. Also sehr kreativ waren die Drehbuchautoren (Simon Pegg hat auch mitgeschrieben) nicht. Und noch eins: Natürlich ist es schräg, in einem Sci-Fi-Film mangelnden Realismus zu beklagen, aber hier waren einige Szenen, die eigentlich realistisch sein sollten, so krass unrealistisch, dass mich das jedesmal kurz aus dem Raum-Zeit-Kontinuum von Star Trek rausgekickt hat.

Meckern ist immer leichter als loben, wohl deshalb ist der kritische Absatz schon wieder länger als der positive. Und wieder muss ich betonen, dass ich den Film im Grunde  gut fand. Aber die ersten beiden Teile fand ich besser: Mit leuchtenden Augen bin ich diesmal nicht aus dem Kino gegangen.

Auf den Spuren von Jane Austen / Von Kim Wilson

Die Heldinnenverehrung für Jane Austen kennt kaum Grenzen.Deshalb lässt sich mit Büchern über jedes Detail aus ihrem Leben offenbar gutes Geld verdienen. Kim Wilson hat schon Bücher über das Teetrinken und die Gärten bei Austen geschrieben – beide habe ich gelesen, beide haben mich nicht wirklich weiter gebracht. Aber schenken lässt man sich sowas ja ganz gern, deshalb habe ich jetzt auch Auf den Spuren von Jane Austen gelesen.
Wie der Titel andeutet, geht es darum, möglichst viele Orte zu beschreiben, die Austen irgendwann mal gesehen hat – weil sie dort lebte oder zu Besuch war. Aus dem Inhaltsverzeichnis: Steventon, Schule, Bath, Herrenhäuser, Reisen, Southhampton, Am Meer, London, Chawton, Winchester. Das Buch ist wie die beiden anderen sehr nett aufgemacht, mit vielen farbigen Bildern und Karten. Entsprechend kürzer ist bei knapp 140 Seiten der Textteil. Aber das macht eigentlich auch nichts. Jedenfalls nicht, wenn man schon dies und das, vor allem Biografien, über Austen gelesen hat. Wilson beschreibt die Orte, zitiert ausgiebig aus Briefen von Austen, und erwähnt immer mal wieder, für welche Stelle in einem Austen-Roman der betreffende Ort ein Vorbild sein könnte.
So hat sie im Grunde eine Art Biografie geschrieben, in der allerdings die Romane nur zum Zitieren erwähnt werden. Was mich ein wenig ermüdet hat, ist die Aneinanderreihung von Banalitäten des Alltags – warum muss ich wissen, in welchem Laden Austen sich ihre Bändchen gekauft hat? Oder welches Zimmer sie in welchem Gasthof bewohnt hat? Oder wie das Zimmer in einem der vielen Quartiere ihres Bruders Henry ausgesehen hat, in dem sie gerne saß? Die wirklich interessanten Dinge erfährt man nicht (die stehen in den richtigen Biografien). Oder sie werden mit einem Satz abgehandelt: So ist in einigen Büchern über Austen die Rede von der angeblich großen Liebe, der Austen am Meer begegnet sein soll. Eine Nichte hat sich erinnert, dass Janes Schwester Cassandra davon nach Jane Austens Tod erzählt hat. Der Name des guten Mannes wird offenbar unterschiedlich geschrieben, bei Wilson heißt er Samuel Bicknall (Seite 87, im Personenverzeichnis fehlt er seltsamerweise).Jedenfalls berichtet Wilson die bekannte Story, derzufolge der Mann kurz nach seiner Abreise leider gestorben sei. Und fügt dann hinzu:
„Mittlerweile weiß man allerdings, dass es die eifersüchtige Cassandra war, die eine weitere Begegnung mit dem Geistlichen Samuel Bicknall durch die fingierte Todesnachricht verhinderte.“
Das war´s, mehr gibts dazu nicht. Das lässt den Leser, mich jedenfalls, sehr verwirrt zurück – und ziemlich neugierig.
Ein Lapsus ist Wilson übrigens auch passiert: Sie schreibt, in Überredung sei Louisa Musgrove vom Cobb gesprungen, mit dem Kopf aufs Pflaster geschlagen – und gestorben. Da die Szene und Annes Engagement danach ziemlich wichtig für das Buch sind, sollte man sie besser kennen, wenn man Lyme Regis ausführlich beschreibt. Aber vielleicht ist das ein Übersetzungsfehler?

Also, ich weiß nicht, ob ich das Buch empfehlen soll. Wer nach jedem Detail aus Austens Leben lechzt, muss es wohl haben. Wer wirklich etwas über ihr Leben wissen möchte, sollte eine der Biografien kaufen, zum Einstieg etwa die von Maletzke. Und wer mehr über die Gepflogenheiten zu Austens Lebzeiten wissen möchte, ist sehr gut bedient mit Deirdre Le Fayes „Jane Austen und ihre Zeit“.

Sind wir allein im Universum? / Von Lisa Kaltenegger

Auf den ersten Blick könnte man denken, das Buch wende sich an Kinder, weil es mit Cartoons illustriert ist, die den Text erläutern. Deshalb wird vielleicht mancher das Buch gar nicht erst kaufen – was jedoch ein Fehler wäre. Wer sich mit der Frage befassen will, ob es Leben (in welcher Form auch immer) im Universum geben kann, ist für den Einstieg mit diesem Buch bestens bedient. Kaltenegger ist eine renommierte Astrophysikerin, aktuell ist sie Direktorin das Carl Sagan Instituts. Ihr Spezialgebiet ist die Ermittlung des „Licht-Fingerabdrucks“ von Exoplaneten, also von Planeten, die sich außerhalb unseres Sonnensystems befinden. Das ist allerdings ein relativ kompliziertes Thema, das Kaltenegger jedoch erfreulicherweise nicht ausführlich behandelt, sondern so, dass man es auch als Laie versteht.

Das Buch hält sich mit Spekulationen über Aliens nicht sehr lange auf. Hier genügt der Hinweis, dass Astonomen heute davon ausgehen, dass praktisch jeder Stern im Universum von mindestens einem Planeten umkreist wird.Da es Milliarden von Galaxien mit jeweils Milliarden von Sternen gibt, kommt man also auf zig Milliarden Planeten.Seitdem 1995 der erste Exoplanet entdeckt wurden, hat man mehr als 3000 weitere gesichtet. Und jede Woche kommen neue hinzu. Weil es technisch sehr schwer ist, Planeten zu finden, findet man vor allem die großen und die, die ihrer Sonne besonders nahe sind – und damit Planeten, auf denen Leben kaum möglich ist. Mit immer besseren Teleskopen und Computern ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis man regelmäßig Planeten finden wird, die weder zu nah noch zu weit von ihrer Sonne entfernt sind (also weder zu heiß, noch zu kalt), um Leben zu ermöglichen. Allein die Wahrscheinlichkeitsrechnung spricht dafür, dass die Erde nicht einzigartig im Universum ist – auch wenn dieser Gedanke schwer zu denken sein mag.

Kaltenegger beschreibt sehr anschaulich, wie nach Exoplaneten gesucht wird. Und welche Bedingungen gegeben sein müssen, damit Leben entstehen kann. Nebenbei lernt man viel über die Entstehung von Sternen und Planeten. Aber auch, warum es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir je Kontakt aufnehmen können mit Außerirdischen: Dagegen spricht vor allem die riesige Entfernung (zwischen „Wie gehts?“ und „Danke, gut!“ können Jahrzehnte, wenn nich Jahrhunderte vergehen) und auch die Wahrscheinlichkeit: Das Zeitfenster, in dem eine Zivilisation auf einem Planeten existiert und sich z.B. mit Radiowellen verständigt, ist sehr klein. Auf der Erde machen wir das erst seit 100 Jahren, bald dürfte es wegen der Digitalisierung schon wieder vorbei sein mit den Funkwellen. Es wäre angesichts der Größe des Universums ein gewaltiger Zufall, wenn sich die Zeitfenster zweier Planeten mit intelligentem Leben überschneiden würden. Reisen sind ohnehin praktisch unmöglich.

Aber um Klingonen oder Vulkanier geht es sowieso nicht. Kaltenegger beschreibt, wie man Hinweise oder Beweise finden will, die überhaupt auf Leben hindeuten. Stimmt die Zusammensetzung der außerirdischen Atmosphäre, wäre der Beweis erbracht, dass dort Bakterien oder gar Pflanzen existieren sollten. Am Ende geht es um die Möglichkeit von Leben schlechthin. Ein solcher Beweis wäre jenseits der Naturwissenschaft vor allem für Philosophen und Theologen spannend – dass er das Denken der Menschheit heute noch erschüttern könnte, bezweifle ich. Nachweisen ließe sich der Grundsatz, dass Leben an sich unvermeidbar ist, also nicht ein einzigartiger Zufall ist, der sich nur auf der Erde ereignet hat.

Kaltenegger ist fasziniert von ihrem Stoff, auch das macht ihr Buch besonders lesenswert. Sie schafft es, genau das richtige Maß zu finden zwischen Verständlichkeit und wissenschaftlichem Anspruch. Einziger Minuspunkt: Die Cartoons sind heiter und interessant, trotzdem hätte ich mir das eine oder andere richtige Foto gewünscht. Auch wenn man die meisten längst kennt, schön anzusehen sind sie doch immer wieder.